Im Land der Indianer

Beim Schlag der Trommel wird die Indianische Welt wieder lebendig

Wenn im August beim „Spirit of Wovoka Days Powwow“ in Yerington, eine Autostunde südöstlich von Carson City, die Trommeln anheben, dann kommen auf Einladung der Paiute Indianer die Ureinwohner Nevadas und anderer Landesteile zusammen, um mit Gesängen und Tänzen die Kultur der verschiedenen Stämme zu feiern, um zu handeln, Freundschaften zu pflegen und die Verbindung zur Erde und „all our relations“, aller Wesen, zu festigen.

Der Ghost Dance – die letzte Hoffnung

Wovoka war ein Medizinmann der Paiute, der während einer Sonnenfinsternis im Jahr 1889 die Vision des Ghost Dance hatte. Die Lage der Ureinwohner auf dem amerikanischen Kontinent war vielerorts verzweifelt, die Bedrohung traditioneller Lebensweisen durch die amerikanischen Siedler nicht mehr von der Hand zu weisen, als Wovoka verkündete, dass der Ghost Dance weitreichenden Frieden zwischen den indianischen Stämmen und den Weißen bringen könnte. Die Kunde verbreitete sich wie ein Lauffeuer, zahllose Stämme schickten Botschafter ins Paiute-Gebiet, um sich der Authentizität Wovokas zu versichern, und zahlreiche Stämme begannen, den Ghost Dance nach Wovokas Anleitung zu praktizieren. Doch die Zuversicht, die die Indianer aus dem Ghost Dance schöpften, verunsicherte die amerikanischen Siedler und Soldaten zutiefst – und die Nervosität der Weißen entlud sich schließlich in Katastrophen wie dem Massaker von Wounded Knee, dem 1890 in South Dakota mehr als 150 Lakota zum Opfer fielen. Wovokas Traum vom friedlichen Miteinander war geplatzt. Heute wird der Ghost Dance noch vereinzelt vor allem im Südosten der USA praktiziert. Doch bei den Powwows, bei denen alle Stämme und alle Kulturen willkommen sind, wird immer noch im Namen des Friedens gesungen, getrommelt und getanzt.

Jäger und Sammler in rauer Natur

Die Paiute gehören mit den Shoshone und den Washoe zu den Great Basin-Stämmen, die hier als Jäger und Sammler der harschen Natur ihre Früchte abtrotzen. Und schon mehr als 2000 Jahre zuvor siedelten hier sesshafte archaische Kulturen: die Anasazi. Sie hinterließen Felsendörfer wie die der „Lost City“ bei Overton sowie umfangreiche Felszeichnungen im Lagomarsino Canyon nahe Reno, im Sloan Canyon südlich von Las Vegas und im Black Canyon im Pahranagat Wildlife Refuge, nördlich von Las Vegas. Im 12. Jahrhundert verließen die Anasazi die Region und Südliche Paiute, die weithin für ihre Friedfertigkeit bekannt waren, besiedelten das heutige Nevada. Die Paiute hatten von den Anasazi den Trockenackerbau gelernt und bauten neben der Jagd Mais, Melonen und Squash an. Doch Mitte des 19. Jahrhunderts wurde ihre Lebensgrundlage vom Zustrom amerikanischer Siedler immer stärker bedroht, was 1860 zum Pyramid Lake-Krieg führte, der die Reiter und Stationsleiter des eben etablierten Pony Express-Postdienstes auf der Strecke durch Nevada großer Gefahr aussetzte. Nach einem der Anführer der Paiute in dieser Auseinandersetzung ist heute die Stadt Winnemucca im Norden Nevadas benannt.

Allianzen und Konflikte

Die Paiute pflegten aber auch gute Beziehungen zu den Shoshone im Osten Nevadas, ein uraltes Jäger- und Sammlervolk, dessen Vorfahren bereits vor 2500 Jahren Hochgebirgsdörfer in Wyoming gebaut hatten. Ganz im Westen des heutigen Nevadas, in der Gegend um den Lake Tahoe und im Carson Valley, siedelten seit sechstausend Jahren die Washoe. Sie unterschieden sich kulturell stark von den Paiute, mit denen sie eine konfliktreiche Beziehung führten – zu ihrem Nachteil, als die Paiute von den spanischen Conquistadores Pferde erwarben und den Washoe den Gebrauch von Pferden verweigerten. Bis heute wird die Washoe-Korbflechterin Dat So La Lee (ca. 1829-1925) als eine der wichtigsten indianischen Künstler Nordamerikas verehrt.

Krieg um die Lebensweisen

Mit dem Goldrausch in Kalifornien und der anschwellenden Migration der Weißen nach Westen gerieten die traditionellen Lebensweisen der Washoe, Paiute und Shoshone immer stärker unter Druck. Kriegerische Auseinandersetzungen mit den Weißen folgten, Blutbäder und Rachefeldzüge zwischen Weißen und Ureinwohnern erschütterten das Land. Am Ende waren die Washoe, Paiute und Shoshone gezwungen, sich dem modernen Leben anzupassen und Arbeit auf den Farmen der amerikanischen Siedler zu suchen. Heute leben viele von ihnen in Reservaten und sogenannten Indian Colonies in der Nähe ihrer ehemals weiträumigen Jagd- und Sammelgebiete – und bis heute kämpfen sie um Landrechte auf diesen Gebieten. Wie so viele amerikanische Ureinwohner leben sie in einem schwierigen Spagat zwischen der Pflege ihrer Sprachen und Traditionen und der Anpassung an ein sogenanntes „modernes“ Leben.

Powwow für den Frieden

Bei den Powwows rückt all dies für einen Moment in den Hintergrund. Wenn die Jingle Dress-Tänzerinnen die Arena mit ihren kunstvoll verzierten Kleidern zum Klingeln bringen, wenn die Grass Dancers wie die Derwische auf der Tanzfläche wirbeln, wenn beim Gourd Dance den Kriegern vergangener und heutiger Generationen gedacht wird, und wenn die Trommeln, die den Herzschlag der Erde repräsentieren, die Sänger mit ihren gellenden Rufen in Trance versetzen, dann erwacht diese vergangene Welt einmal mehr zum Leben – eine Welt der Harmonie, des Respekts, des Miteinanders, an der Kinder und Alte, Männer und Frauen, Indianer und Nicht-Indianer friedlich teilhaben. Alle wichtigen Informationen zum Powwow gibt es hier.